Nach Franz Kemper, dem Pionier dieser Therapiemethode, ist Familienspieltherapie eine »Spieltherapie mit der ganzen Familie«.
Die Familienspieltherapie bietet die Chance neue Wege zur Verbesserung der Familiensituation zu finden und fördert den Heilungsprozess des Kindes.

Nach Fallstudien hat sich Familienspieltherapie als günstig erwiesen bei psychosomatischen Problemen, bei Schulverweigerung, bei aggressiven und stotternden Kindern.

Lange Zeit wurden Kinder in der Familientherapie ausgeschlossen, mit der Begründung sie störten nur und könnten dem therapeutischen Geschehen nicht folgen. Die Spieltherapeuten hingegen vernachlässigten lange die Familie, da sie der Meinung waren, dass die Heilungsarbeit des Kindes auch ohne Familie gehe.

Franz Kemper hingegen erkannte die Bedeutung der Familienspieltherapie. Die Familie erlebt mit, wie der Therapeut mit der Symptomatik umgeht. Er macht sich gemeinsam mit ihnen auf die Suche, Spielthemen zu entdecken und was diese möglicherweise mit dem Alltag und mit der Symptomatik des Kindes zu tun haben. Über das Spiel laufen wichtige, vielfältige und unbewusste Anschlüsse an die Familie. Dabei reicht die Familie in das Spiel hinein und das Spiel reicht in die Familie hinein und lässt sich für individuelle und familiäre Gesundungsprozesse nutzen. Das gemeinsame Spiel schafft neue und lebendige Begegnungen und eröffnet überraschende Perspektiven- und Bewertungswechsel.

Mittel des familienspieltherapeutischen Dialoges sind zum einen Worte und Sprache und zum anderen das Spiel, mit seinem faszinierenden direkten Zugang zur kindlichen und auch -oft genug unterschätzt- zur erwachsenen Seele. Im Spiel sucht das Kind die Plätze seiner Verletzungen auf und gleichzeitig zeigt es Wege auf, die für den Gesundungsprozess zu gehen sind. Hier werden die Eltern eingeladen, diesen Weg mitzugehen. Auf ihm begegnen sie sich -nicht selten zu ihrer großen Überraschung- in vielfacher Weise selbst. Über das Spiel findet die Familie Zugang zu ihrer inneren Welt. Weg vom Defizit-orientierten Miteinander ermöglicht das Spiel wieder positive Erfahrungen in der Gemeinsamkeit. Positive Selbsterfahrungen führen zur Selbstannahme und darüber zu einer Stärkung des Selbstkonzeptes.

Die Spieltherapeutische Stunde:

Die Eltern werden eingeladen, einfach dabei zu sein, oder zuzuschauen. Oder sie können mitspielen. Wenn die Eltern von den Kindern aufgefordert werden mitzuspielen, so sollen sie diesem Wunsch nachkommen.

Das Spieltherapiezimmer drückt aus, hier steht das Spiel an erster Stelle. Hier sind die Kinder die Regisseure, ihr Spielbedürfnis wird als Grundbedürfnis gewertet. Wer das Spielen der Kinder ernst nimmt, der nimmt die Kinder ernst. Mit ihnen zu spielen ist eine Form von Liebe und Zuwendung. Den Eltern wird erläutert, was im Spiel zu erkennen ist und was es möglicherweise bedeutet. Ihnen wird aufgezeigt, was im Spiel nach Heilung ruft.

Spiel für heilende Zwecke ist für Erwachsene ungewöhnlich. Das Spiel geht vom Kind und von der Familie aus. Es findet in einer geschützten Umgebung statt. Gemeinsames Spiel kann so die Beziehungen klären und auch neue Beziehungen schaffen. Gleichzeitig wird das Kind als Symptomträger entlastet. Spielen steht im Vordergrund und verschwunden ist das Klagen von Erwachsenen über Kinder.

Im Spiel wird das Kind als Experte gesehen, es erhält dadurch eine hohe Wertschätzung. Über diese Erfahrung lässt sich die Beziehung in der Familien neu gestalten. Der Abschied vom Alten bietet eine Chance zu einem Neubeginn. Mit diesem Neubeginn lernen die Eltern auch das Kind in seiner Problematik anzunehmen. Das entlastet das Kind und macht den Blick frei für das, was die Person noch ausmacht. Die Eltern lernen die Ressourcen ihres Kindes kennen und schätzen.